Stiftungspreis der Kurt Graulich Stiftung 2025
In einer Feierstunde im kleinen Kreis haben Mitglieder des Kuratoriums den Stiftungspreis 2025 an die Therapeutische Einrichtung Eppenhain des Vereins Jugendberatung und Jugendhilfe e.V. übergeben.
Dieser Verein ist als Jugend- und Drogenberatung aus dem Haus der Volksarbeit in Frankfurt entstanden, um Eltern zu unterstützen, die sich um den schulischen Erfolg und die Lebensweise ihrer Kinder sorgten. Durch den damaligen Zeitgeist begünstigt wurde das Probieren und Konsumieren sogenannter bewusstseinserweiternder Drogen zu einem großen Problem. Diese Zielgruppe erforderte neue Beratungs- und Handlungsansätze.
In diesem Jahr konnte der Verein sein 50-jähriges Bestehen feiern. Grund der Therapeutischen Einrichtung für junge Abhängige den diesjährigen Stiftungspreis – ganz im Sinne des verstorbenen Gründers der Graulich-Stiftung – zu überreichen.
Anlässlich der Preisübergabe hat das Kuratorium mit der Leiterin der Einrichtung, Frau Katharina Munz, über Ziele der Einrichtung und aktuelle Fragen gesprochen:
Kuratorium: Ihre Festschrift trägt den Untertitel: Einzigartig seit 1975. Was macht Ihre Einrichtung so besonders und einzigartig?
Munz: Die Therapeutische Einrichtung Eppenhain besteht eigentlich aus fünf verschiedenen Einrichtungen, die Jugendliche in ganz unterschiedlichen Abschnitten ihrer Genesung begleitet: eine Abteilung für medizinische Rehabilitation, zwei Jugendhilfeeinrichtungen für konsumierende Jugendliche und eine hauseigene Schule, in der die Jugendlichen parallel zu ihrer Therapie einen Schulabschluss erwerben können. Außerdem noch eine Jugendwohngruppe, in der es um die Verselbstständigung nach der Therapie geht. Diese Kombination macht die Einrichtung in Deutschland einmalig und unser Angebot so besonders.
Kuratorium: Rom wurde nicht an einem Tag erbaut! In unserem Gespräch haben Sie dieses Bild übernommen und Ihre Arbeit verglichen mit dem Bau Roms mit/aus kleinen Bauklötzen. Welche „Bauklötze“ müssen in Ihrer Arbeit zusammengetragen werden?
Munz: Wie für so viele Einrichtungen im sozialen Bereich ist es auch für uns eine besondere Herausforderung, mit immer knapper werdenden Mitteln bei sich gleichzeitig verändernder Klientel gleichbleibend die gute Arbeit zu leisten, für die die Einrichtung seit 1983 bekannt ist. Dazu gehört eine Menge Einsatzbereitschaft, Kreativität und Anpassungsfähigkeit, immer mit dem Fokus darauf, was unsere Jugendlichen brauchen, um nach ihrem Aufenthalt bei uns in ein möglichst zufriedenes und suchtmittelfreies Leben starten zu können.
Kuratorium: Was macht die Arbeit mit diesen Jugendlichen besonders?
Munz: Zusätzlich zu ihrer Abhängigkeitserkrankung und dem riskanten Konsum kämpfen unsere Jugendlichen, wie viele andere seelisch kranke Menschen auch, mit weiteren Begleiterkrankungen, wie z.B. Depressionen oder Traumafolgestörungen. Aufgrund ihres Alters befinden sich die meisten von ihnen auch noch mitten in der Pubertät, was es nicht unbedingt einfacher für sie macht. Die Jugendlichen bewältigen bei uns Schule und Therapie gleichzeitig, das ist eine enorme Leistung für einen so jungen Menschen. Dabei versuchen wir, sie so gut es geht zu unterstützen und ihnen ein strukturiertes Umfeld mit klaren Regeln und Grenzen und einen liebevoll-wertschätzenden Umgang zu bieten, in dem sie gut aufwachsen und gesund werden können.
Im Vergleich mit süchtigen Erwachsenen haben die Jugendlichen eine bessere Prognose und größere Chancen, tatsächlich ein suchtfreies Leben zu führen. Daran arbeiten wir mit ihnen gemeinsam.
Kuratorium: Drogen sind ja nur die eine Seite Ihrer vielfältigen Arbeitsgebiete. In welchen Bereichen bietet der Verein präventiv seine Hilfe an?
Munz: Der Verein hat inzwischen viele Fachbereiche, in denen ganz unterschiedlichen Zielgruppen Hilfe angeboten wird. Neben der klassischen Suchthilfe, aus der der Verein ursprünglich entstanden ist, sind mit der Zeit die Eingliederungshilfe mit Angeboten wie betreutem Wohnen, die stationäre Jugendhilfe und der Bereich Bildung und Erziehung mit betreuender Grundschule und Teilhabeassistenzen hinzugekommen. Durch diese breite Palette ist es dem Verein möglich, Menschen die Hilfe brauchen auf die unterschiedlichsten Arten Hilfe zu leisten, ganz getreu nach dem Motto des Vereins: Der Mensch im Zentrum!
Kuratorium: Wir sind sicher, dass der Stiftungspreis 2025 der Graulich-Stiftung in Höhe von € 5.000 bei Ihnen gut aufgehoben ist und Ihren Klienten und Patienten zu Gute kommt. Davon konnten wir uns überzeugen. Vielen Dank für das Gespräch.